{"id":10240,"date":"2022-06-01T23:18:57","date_gmt":"2022-06-01T23:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/manifesto"},"modified":"2022-06-13T12:23:06","modified_gmt":"2022-06-13T12:23:06","slug":"manifesto","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/manifesto","title":{"rendered":"Manifesto"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Das Manifest des Pochoirismus<\/em><\/p><cite><em>von Blek le Rat<\/em><\/cite><\/blockquote>\n<p><style>\/*! elementor - v3.6.5 - 27-04-2022 *\/<br \/>\n.elementor-heading-title{padding:0;margin:0;line-height:1}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title[class*=elementor-size-]&gt;a{color:inherit;font-size:inherit;line-height:inherit}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title.elementor-size-small{font-size:15px}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title.elementor-size-medium{font-size:19px}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title.elementor-size-large{font-size:29px}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title.elementor-size-xl{font-size:39px}.elementor-widget-heading .elementor-heading-title.elementor-size-xxl{font-size:59px}<\/style>\n<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich einer Reise nach New York City im Jahre 1971 sah ich die ersten wilden, k\u00fcnstlerischen Graffiti. Sie wucherten \u00fcberall: in der Metro, auf den W\u00e4nden rings um die Basketballfelder. Es waren mit Markern gezeichnete Graffitis, nerv\u00f6se, von einer Krone besetzte Signaturen, omnipr\u00e4sent in New York, sowie gespr\u00fchte, von Spiralen und Farben erf\u00fcllte Schriftz\u00fcge. Diese Miniaturmalereien hatten mich derart neugierig gemacht, da\u00df ich die obligatorische Frage stellte:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u00bbWas hat das blo\u00df zu bedeuten und warum tun diese Leute das?\u00ab<\/em><\/p><cite><em>Blek le Rat<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n<p>Leider konnte mir niemand eine zufriedenstellende Antwort geben au\u00dfer der, da\u00df es sich um das Werk von Personen handle, denen es an Vernunft und an Verantwortung mangelte. \u00bbSchmutziges Gesindel\u00ab hatte Lindsay, der damalige New Yorker B\u00fcrgermeister, gesagt. In Paris befand sich diese Ausdrucksform zu dieser Zeit noch im Rohzustand. Nat\u00fcrlich hatte es 1968 eine F\u00fclle politischer Inschriften auf den Mauern gegeben, nat\u00fcrlich hat- ten wir das Thema Kunst im \u00f6ffentlichen Raum mittels der in den \u00bbAteliers populaires de l&#8217;\u00c9cole des Beaux Arts\u00ab geschaffenen Plakate behandelt, aber es gab noch keine gro\u00dfe k\u00fcnstlerische Bewegung, die dazu entschlossen war, in der st\u00e4dtebaulichen Landschaft zu intervenieren.<\/p>\n\n<p>In den USA hingegen existierte Graffiti, diese Bewegung wilder Kunst, bereits seit Mitte der sechziger Jahre, als zehn zur Anonymit\u00e4t verbannte K\u00fcnstler das Startsignal gaben, indem sie ihren Leihnamen mit dem Marker oder der Spr\u00fch- dose auf die W\u00e4nde schrieben.<\/p>\n\n<p>Diese Erinnerungen blieben in meinem Ged\u00e4chtnis verwurzelt und es sollte ganze zehn Jahre dauern, bis ich mich selbst ans Werk machte. Die Studien der Graphik und der Architektur an der Pariser \u00c9cole des Beaux Arts machten mich mit der Materie vertraut. Ich erlernte also in den siebziger Jahren die Techniken der Radierung, der Lithographie und des Siebdrucks, w\u00e4hrend das anschlie\u00dfende Architekturstudium in mir das Bewu\u00dftsein eines kalkulierbaren \u00f6ffentlichen Raums weckte. Anfang der siebziger Jahre war ich sehr beeindruckt vom Werk David Hockneys, der gerade neben meiner Kunstschule eine gro\u00dfe Ausstellung hatte. F\u00fcr mich war Hockney das Beeindruckendste, was ich jemals gesehen hatte. Ein Jahr sp\u00e4ter kam Hockneys Film \u00ab<strong>The bigger splash \u00bb<\/strong> heraus. In einer Szene sieht man Hockney das Port\u00e4t eines seiner Freunde in voller Gr\u00f6\u00dfe mit \u00d6lfarbe und Pinsel auf die Wand eines Apartments malen. Dieses Bild ging mir nie aus dem Kopf. F\u00fcr mich war dieser Film derart bedeutend f\u00fcr die Kunstgeschichte, dass ich ihn gleich zehn oder f\u00fcnfzehn mal sah.<\/p>\n\n<p>1980 betreute mein Freund G\u00e9rard Dumas in Les Ulis einen Abenteuerspiel- platz f\u00fcr Halbw\u00fcchsige w\u00e4hrend der Ferien. Und ich ging ihm zur Hand. Dieses terrain d&#8217;aventure war von Kindern besiedelt, die mit dem einzigen Hintergedanken kamen, einander kennenzulernen und sich zu besch\u00e4ftigen, ohne dass irgendeine Obrigkeit ihnen Fesseln anlegt. Der Spielplatz befand sich direkt hinter einem Supermarkt, und leichtf\u00fc\u00dfig pendelten die Kinder zwischen beiden Orten hin und her. Unter all dem Krimskrans den sie aus dem Gesch\u00e4ft anschleppten, waren nicht selten Spr\u00fchdosen zu finden. Die illegal ausgef\u00fchrten Dosen wurden dazu verwendet, die kleine H\u00fctte, in der wir unsere Utensilien verstauten, zu bespr\u00fchen.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"747\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/terraindaventures-1024x7471-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8403\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/terraindaventures-1024x7471-1.jpg 1024w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/terraindaventures-1024x7471-1-300x219.jpg 300w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/terraindaventures-1024x7471-1-768x560.jpg 768w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/terraindaventures-1024x7471-1-600x438.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Unsere H\u00fctte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<p>Gro\u00dfe, triefende, nach nichts aussehende Fresken erschienen und verschwanden im Laufe des Jahres auf unserer H\u00fctte. Eine jede Kreation bewegte uns sehr und so beschlossen G\u00e9rard und ich, uns ebenfalls Spr\u00fchdosen anzuschaffen. Wir hatten uns angesteckt. Die Hauptstadt geh\u00f6rte uns, und wir mussten nur noch zur Tat schreiten. Als wir im Oktober 1981 im 14. Arrondissement in der Rue des Thermopy- les zum ersten Mal spr\u00fchten, hatten wir versucht, ein amerikanisches Piece zu malen. Welch ein Fiasko! So schlug ich vor, Pochoirs herzustellen, eine sehr alte Technik, Vorfahre des Siebdrucks und sp\u00e4ter von den Rechtsradikalen in Italien f\u00fcr ihre Propaganda eingesetzt<\/p>\n\n<p>Ich erinnere mich, als Kind Anfang der sechiziger Jahre in Italien das Kopfbildnis des Duce gesehen zu haben, eine Restspur aus dem zweiten Weltkrieg.<\/p>\n\n<p>Die Technik war gefunden, das Material war beschafft, wieder hie\u00df es zu handeln.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"366\" height=\"502\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-121.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8404\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-121.png 366w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-121-219x300.png 219w\" sizes=\"(max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/figure><\/div>\n<p>Platz war ausreichend vorhanden und Graffitispr\u00fchen war eine derart unbekannte Technik, da\u00df die Runden drehenden flics uns praktisch gar nicht st\u00f6rten, es sei denn, um uns zu fragen, ob wir ein politisches Ziel verfolgten. Wir antworteten ihnen<em>&#8221; <strong>Nein, das ist Kunst<\/strong>&#8220;<\/em>und es hatte sich erledigt. Wir hatten den Namen Blek in Anlehnung an einen in unserer Kindheit gelesenen italienischen Comic namens <strong>Blek Le Rock<\/strong> gew\u00e4hlt. Wir hatten ein Pseudonym gew\u00e4hlt, weil wir uns zur Anonymit\u00e4t entschlossen hatten.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"688\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-1024x688.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8477\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-1024x688.jpg 1024w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-300x201.jpg 300w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-768x516.jpg 768w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-1536x1032.jpg 1536w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82-600x403.jpg 600w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/bananas_tbk82.jpg 1605w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n<p>Wir wollten die Leute unseres Viertels neugierig machen: Wer waren die Autoren dieser kleinen Ratten, der Bananen, der L\u00e4ufer und all dieser kleinen Pochoirs, die wir am Tage fabrizierten und nachts im 14. und 18. Arrondissement spr\u00fchten?<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-678x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8496 size-full\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-678x1024.jpg 678w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-199x300.jpg 199w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-768x1159.jpg 768w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek-600x906.jpg 600w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/galerie_1980\/dali-by-blek.jpg 1079w\" sizes=\"(max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em> Die Intervalle unserer n\u00e4chtlichen Ausfl\u00fcge verk\u00fcrzten sich. Am 31.Dezember 1982 beschlossen wir, rings um den der Kunst geweihten Tempel, das Centre Georges Pompidou, zu spr\u00fchen. <\/em><\/p><cite>Blek le Rat<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n<p><\/p>\n\n<p>In der eiskalten Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar spr\u00fchten wir also einen ganzen Haufen Ratten, Panzer und kleine Personen an dieser Kultst\u00e4tte. Die W\u00e4chter des Museums waren herausgekommen, um uns zu fragen, was wir da t\u00e4ten. Und wieder antworteten wir \u00bbKunst\u00ab, was ein kleines L\u00e4cheln auf die Lippen der W\u00e4chter des Tempels zauberte. Am Ende des Winters 1983 trennte sich das Duo Blek, da G\u00e9rard anderweitig besch\u00e4ftigt war, und so blieb ich allein und adoptierte den Namen <strong>Blek le Rat<\/strong>.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"965\" height=\"673\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/RatsandTanks-1-1024x6971-1-e1652831051876.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8407\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/RatsandTanks-1-1024x6971-1-e1652831051876.jpg 965w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/RatsandTanks-1-1024x6971-1-e1652831051876-300x209.jpg 300w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/RatsandTanks-1-1024x6971-1-e1652831051876-768x536.jpg 768w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/RatsandTanks-1-1024x6971-1-e1652831051876-600x418.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 965px) 100vw, 965px\" \/><\/figure><\/div>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u00bbDer Name &#8211; das ist die Religion der Graffiti\u00ab <\/em><\/p><cite><em>Norman Mailer<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n<p>Durch den Namen wird man erkannt, auf Schritt und Schritt verfolgt, das Bild ist der Untergrund f\u00fcr diesen Namen, dieser Name sagte mir: <em>du existierst f\u00fcr Tausende Personen, die du nicht kennst und die du niemals kennenlernen wirst, doch du existierst in dieser verschlossenen Welt der st\u00e4dtischen Anonymit\u00e4t.<\/em><\/p>\n\n<p>Es war mir gegeben, Bilder zu malen und all die Mittelsm\u00e4nner zu umgehen, die meine Arbeit nach ihrem Konzept beurteilen w\u00fcrden. Eine Art Freiheit. Ich war allein in der Stadt und die Stadt geh\u00f6rte mir. Nach jeder Nacht, in der ich gespr\u00fcht hatte, ging ich am n\u00e4chsten Tag immer wieder an meinen W\u00e4nden vorbei und manchmal verbrachte ich Stunden damit, meine Bilder und die Passanten zu beobachten. Selbst ein fl\u00fcchtiger Blick ihrerseits erf\u00fcllte mich mit Freude. Die Anzahl meiner Pochoirs erh\u00f6hte sich zunehmend, denn das Leben eines Pochoirs ist verg\u00e4nglich, bedenkt man, wie es behandelt wird. Die getrocknete Farbe bildet auf der Oberfl\u00e4che des Kartons eine Kruste, die ausgeschnittenen Stellen schlie\u00dfen sich nach dem h\u00e4ufigen Spr\u00fchen. Neue Pochoirs m\u00fcssen also hergestellt werden, und je mehr man arbeitet, umso perfekter wird die Technik und desto leichter wird es, umso befriedigender ist das Ergebnis.<\/p>\n\n<p>Da ich die Technik nun besser beherrschte, hatte ich im M\u00e4rz 1983 die Idee zu einem Pochoir eines Mannes in Lebensgr\u00f6\u00dfe. In der Zeitung Lib\u00e9ration fand ich das Photo eines alten, eine Schirmm\u00fctze tragenden Mannes. Dieses Photo kam aus Nordirland und mir gerade recht f\u00fcr ein Pochoir. Diese Figur sollte durch etwa zehn St\u00e4dte Frankreichs schlendern, in denen sie die Spuren meiner Pr\u00e4senz hinterlie\u00df. Sie wurde genannt Buster Keaton, Charlot, der Alte und ihre Bekanntheit nahm unvorhergesehene Aus- ma\u00dfe an. Ein wahres Manna f\u00fcr die Photographen! Auf meinen Alten stie\u00df ich des \u00f6fteren in den Zeitungen,<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"256\" height=\"382\" data-id=\"8409\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-15-11.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8409\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-15-11.png 256w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-15-11-201x300.png 201w\" sizes=\"(max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"276\" height=\"508\" data-id=\"8410\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-161.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8410\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-161.png 276w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-161-163x300.png 163w\" sizes=\"(max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/figure><\/figure>\n\n<p>wo er Artikel illustrierte, die nicht unbedingt \u00fcber Graffiti sprachen. Es war also ein Erfolg, und eine Vielzahl von Gestalten, die mir zusagten und mit denen ich mich verbunden f\u00fchlte, setzte meine Arbeit fort.<\/p>\n\n<p>Da waren <strong>Tom Wait<\/strong>s, ein kleiner Junge in kurzen Hosen <strong>Andy Warhol<\/strong>, <strong>Marcel Dassault<\/strong>, die Frau mit Kind aus Pakistan, ein russischer Soldat, welchen ich an den Eing\u00e4ngen der Pariser Stadtautobahn gespr\u00fcht hatte <strong>Mitterrand<\/strong>, ein Faun, Joseph Beuys, ein rennender schreiender Mann, Christus, zwei Hunde bei der Fortpflanzung, eine Frau mit Strapsen, die ich am Eingang des Hauses von Serge Gainsbourg und anderen passenden Orten malte.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"813\" data-id=\"8411\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BeuysParisVG-11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8411\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BeuysParisVG-11.jpg 540w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BeuysParisVG-11-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" data-id=\"8412\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BlekBoy-1-664x10241-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8412\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BlekBoy-1-664x10241-1.jpg 664w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BlekBoy-1-664x10241-1-195x300.jpg 195w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BlekBoy-1-664x10241-1-600x925.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"506\" height=\"502\" data-id=\"8413\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-231.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8413\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-231.png 506w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-231-300x298.png 300w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-231-150x150.png 150w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PastedGraphic-231-100x100.png 100w\" sizes=\"(max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"692\" height=\"1024\" data-id=\"8414\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/soldier-paris-1-692x10241-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8414\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/soldier-paris-1-692x10241-1.jpg 692w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/soldier-paris-1-692x10241-1-203x300.jpg 203w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/soldier-paris-1-692x10241-1-600x888.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"717\" height=\"1024\" data-id=\"8415\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/TomWaitsRat-3-717x10241-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8415\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/TomWaitsRat-3-717x10241-1.jpg 717w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/TomWaitsRat-3-717x10241-1-210x300.jpg 210w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/TomWaitsRat-3-717x10241-1-600x857.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 717px) 100vw, 717px\" \/><\/figure><\/figure>\n\n<p>Sie sind meine Figuren, sie \u00e4hneln mir alle irgendwie, sie stellten mich der Welt vor, wie eine Person sich einer anderen vorstellt. Wann immer ich sie auf die W\u00e4nde malte, hatte ich das Gef\u00fchl, ein St\u00fcck von mir selbst an den W\u00e4nden aller St\u00e4dte, die ich besuchen konnte, zu lassen.<\/p>\n\n<p>Im Sommer 1984 erschienen andere Pochoirs in Paris. Die ersten, die mir auffielen, trugen die Signatur von Marie Rouffet und Surface Active. Der Dialog zwischen uns war hergestellt und die Graffiti der beiden K\u00fcnstler gesellten sich zu den meinen, wie ein Augenzwinkern zwischen uns, was mir nicht mi\u00dffiel und was mich zum Tr\u00e4umen brachte \u00fcber diese neue Kunst der Sprache, die Zeichen, die wir schon gemein hatten.<\/p>\n\n<p>Zu dem Zeitpunkt, als neue Pochoirs in Paris erbl\u00fchten, begann die heim- t\u00fcckische Strafverfolgung ihre F\u00fchler auszustrecken. Die Polizisten wurden zunehmend aggressiver und meine erste Verhaftung vollzog sich in Les Halles. Erster Polizeigewahrsam, erster Polizeibericht in einem Kommissariat, erste Vernehmung durch einen Inspektor, der ein gro\u00dfer Anh\u00e4nger von Comics war und den Bericht gl\u00fccklicherweise nicht dem Staatsanwalt \u00fcbermittelte. Also ohne rechtliche Folgen.<\/p>\n\n<p>Ab Ende des Jahres 1984 allerdings war dann die Angst, gefa\u00dft zu werden, st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Ich studierte die Gewohnheiten der flics, beobachtete ihr Kommen und Gehen, lernte, ihre freien Tage und die Stunden, in denen sie ihre Runden drehten, zu ermitteln und meine Arbeit eben diesen Angewohnheiten anzupassen. Letztendlich hatte ich eine Menge Vorsichtsma\u00dfnahmen f\u00fcr meine Arbeit zu treffen, die zunehmend illegalen Charakter annahm. Trotz dieses wenig erquicklichen Spiels war mein Verlangen danach, mir Ausdruck zu verleihen und zu malen so stark, dass sich die von diesem Versteckspiel erzeugte Span- nung zum gewollten Zeitpunkt in einen Regen von Kreativit\u00e4t verwandelte. Nichts ist st\u00e4rker als in einer Winternacht mit gefrorenen H\u00e4nden zu arbeiten, wenn das Herz lodert vor Angst.<\/p>\n\n<p>Ich habe nicht aufgeh\u00f6rt, Angst zu haben, bis zu diesem Tag im Oktober 1991, als meine Angst sich kon- kretisierte durch einen kurzen Aufenthalt vor der Pariser Strafkammer wegen des Verbrechens: Besch\u00e4digung fremden Eigentums. Nochmals hatte ich das Gl\u00fcck, auf einen gutartigen Richter zu sto\u00dfen, der meine Arbeit mochte und mir sagte, indem er auf das Foto, welches mein Anwalt ihm anvertraut hatte, zeigte: \u00bb<em>Ich kann Sie daf\u00fcr nicht verurteilen, es ist zu sch\u00f6n.<\/em>\u00ab<\/p>\n\n<p>Die Graffitibewegung hat nichts anderes im Sinn als das Wort \u00fcber das Bild zu ergreifen. Worte an die Gemeinschaft, Worte der Liebe, Worte des Hasses, vom Leben und vom Tod. Es ist eine elegante, raffinierte Art Therapie mit dem Versuch, die Leere dieser modernen schrecklichen Welt zu f\u00fcllen, den \u00f6ffentlichen Raum mit Bildern zu bedecken, die den Blick des sich zur Arbeit begebenden Passanten mit Freude erf\u00fcllen m\u00f6chten.<\/p>\n\n<p>Die Obrigkeiten aber erkl\u00e4rten den Graffitis erbarmungslos den Krieg. Angefangen bei jedem nur denkbaren Gesetz bis zu psychologischem Krieg, solange bis jegliche Pochoirs und k\u00fcnstlerische Ausdr\u00fccke entlaubt oder vernarbt waren. Unangemessen hohe Strafen schwebten \u00fcber den K\u00f6pfen der jungen K\u00fcnstler, sie wurden von gigantischen Bu\u00dfgeldern bedroht. Als ob die Stadt von Graffitis mehr zu bef\u00fcrchten hatte als von Drogen. Aber das Verlangen, sich auszudr\u00fccken und zu malen ist so gro\u00df, dass die K\u00fcnstler einander abl\u00f6sen. Indem sie dies auf der ganzen Welt tun, machen sie aus dieser urbanen Kunst, was die Diffusion der Bilder und die Authentizit\u00e4t die sie ausstrahlen angeht, die gr\u00f6\u00dfte k\u00fcnstlerische Bewegung des Jahrhunderts. Orte ohne die Spuren muraler k\u00fcnstlerischer Interventionen gibt es nicht mehr. Selbst in Peking, im h\u00e4rtesten Regime unseres Planeten, hinterl\u00e4\u00dft gerade in diesem Moment ein Mann seine Spur.<\/p>\n\n<p>All dem zum Trotz betrachtet man diese st\u00e4dtische Kunst weiterhin wie eine um sich greifende Plage. Ich habe den Eindruck, da\u00df die Metropole gerade durch die poetischen Eingriffe, die unsere Spr\u00fchdosen hervorbringen, zu voller Sch\u00f6nheit erbl\u00fcht.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"861\" height=\"605\" src=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PourSybille1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8416\" srcset=\"https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PourSybille1.jpg 861w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PourSybille1-300x211.jpg 300w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PourSybille1-768x540.jpg 768w, https:\/\/blekleratoriginal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/PourSybille1-600x422.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 861px) 100vw, 861px\" \/><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Manifest des Pochoirismus von Blek le Rat Anl\u00e4sslich einer Reise nach New York City im Jahre 1971 sah ich die ersten wilden, k\u00fcnstlerischen Graffiti. Sie wucherten \u00fcberall: in der Metro, auf den W\u00e4nden rings um die Basketballfelder. Es waren mit Markern gezeichnete Graffitis, nerv\u00f6se, von einer Krone besetzte Signaturen, omnipr\u00e4sent in New York, sowie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10240","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blekleratoriginal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}